Seit der frühesten Jugend und seiner erlebten Flucht in einem Schiffsbauch hat es Bodo Baumgarten immer wieder hingezogen zum Meer, der Ostsee, zu den wechselnden Stimmungen der Gewässer von allen Tages- und Jahreszeiten.


Die Atmosphäre des Wassers und seiner Umgebung hat der Künstler durch die verschiedensten Mittel einzufangen versucht: die Zeichnung, die Öl- und Aquarellfarbe, die gefaltete und manuell geformte Pappe und das Papier. Immer stärker gingen über den jahrelangen Schaffensprozess hinweg die Materialien bei der Bildfindung miteinander eine Verbindung ein.

In der letzten Ausstellung „mehr Meer“ zeigte Bodo Baumgarten eine ganze Fülle an klein- und großformatigen Werken, die allesamt vom Meer erzählen. Es sind viel eher Objekte, die sich in großer erzählerischer Poesie im gesamten Raum ausbreiten und untereinander in Kommunikation treten, auch wenn jedes einzelne Werk für sich zu stehen vermag. An seinen Wohnorten Paris, Köln und Hamburg beobachtet der Künstler die stark strömenden und sich immer wieder biegenden Flüsse, die Zubringer des Meeres, die Menschen in Verbindung mit dem Wasser und an dessen Ufern. Nicht jedes Motiv wird direkt vor der Natur erarbeitet, manche Idee verselbständigt sich später im Atelier. Koloristisch ergeben sich immer wieder Neufindungen – wie im Wasser und im Leben an sich bleibt nichts so wie es ist, alles ist in steter Bewegung und Verwandlung begriffen.

Auf eine lange Schaffenszeit kann Bodo Baumgarten zurückblicken, doch hat er sich immer wieder neu erfunden. Erfahrungen aus allen früheren Entwicklungsstufen fließen in seine heutigen Arbeiten mit ein. Längst haben sich Bodo Baumgartens malerische Werke aus den gängigen Formaten gelöst, werden selbst zu einzelnen Objekten. Beeinflusst von ihrem Umraum stellen sie in Gesamtinstallationen Synergien her oder bleiben für sich allein. In der motivischen Darstellung hat sich der Künstler immer weiter von der klassisch akademischen Bildanlage von Perspektive und Horizont entfernt.

Der ehemals als Professor an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken tätig gewesene Bodo Baumgarten hat vergangene Theorien von Minimal Art oder der Konkreten Kunst, in deren Kontext seine raumgreifenden, Ideen visualisierenden und auf sich selbst reduzierten Objekte entstanden waren, hinter sich gelassen. Es bleiben in seiner Kunst die beschwingten Rhythmen ungezwungener Fabulierfreude, nicht durch das naturalistische Nachempfinden von Erlebtem, sondern durch die Neukonstruktion. Gewonnene Einsichten in Raum- und Lichteffekte reliefartiger Körper oder wuchtig raumgreifender Installationen bringt der Künstler in seine heute entstehende Kunst mit ein. In seinen Bildern vom Meer wird die Wirkung der Farbe in ihrer gegenständlichen Plastizität in den Schaffensprozess miteinkalkuliert und den dem Bildträger zugefügten weiteren Materialien gegenübergestellt. Wie zu einem atmosphärisch aufgeladenen Stillleben formen sich Bodo Baumgartens Erinnerungsstücke nach der Natur, seine papier collés bilden einen eigenen Bildkörper, formen einen eigenen Kosmos, in den der Betrachter miteintauchen kann.

Bodo Baumgartens Werke finden sich in öffentlichen Stiftungen und Sammlungen, darunter der Hamburger Kunsthalle.
Dr. Annette Baumann